»Der Schlüssel zum Tor: Erkenne, wer du bist«

Bereits der Klappentext des Buchs klingt sehr interessant und vielversprechend.
Es geht im Erstlingswerk von Eva Seith um ein völlig normales Mädchen, das plötzlich entdeckt, etwas ganz Besonderes zu sein, ohne dass sie das Geringste dafür kann. Ihre Gabe hat sie ausgewählt, nicht umgekehrt.

Schluessel
Obwohl das Buch für Menschen ab 10 geschrieben wurde, gelingt es der Autorin bereits auf den ersten Seiten, mich völlig in die Welt von Lili und ihrer sympathischen, findigen und weit herumgekommenen Großmutter Esther hineinzuziehen. Ich fühle mich zu Hause in dieser Welt, in der Lilis Mutter nur eine Nebenrolle zu spielen scheint.
Bereits als sich Lili mit ihren seltsamen Wahrnehmungen ihrer Oma anvertraut, sind die Liebe und das Verständnis zu spüren, welche sie dem Mädchen entgegenbringt. Esther macht sie bekannt mit ihren Wurzeln, die in einer Familie liegen, deren einzelne Mitglieder verschiedene besondere Begabungen haben.
Als jedoch Marla, Lilis Mutter, davon erfährt, wird sie fuchsteufelswild. – Weshalb das so ist, erhellt sich erst gegen Ende dieser abwechslungsreichen und spannenden Geschichte.
Ich war ganz besonders begeistert von den Bildern, die Eva Seith in meinem Kopf zu erzeugen verstand. Für mich war es äußerst erfreulich, zu entdecken, dass der Autorin soziale Werte wie die Familie, Freunde und das Einhalten gegebener Versprechen hoch im Kurs stehen. Ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen, macht sie eindeutig klar, dass man ohne diesen Rückhalt nicht das zu leisten im Stande ist, was man sonst zu leisten vermag. Das Buch ist pädagogisch sehr wertvoll für die Entwicklung gerade der wichtigsten sozialen Kernkompetenzen.
Nicht zuletzt ist es die Liebe, der eine große Rolle in diesem Buch zukommt. Die Liebe zwischen Großmutter, Mutter und Enkelin; die Liebe zu anderen Familienmitgliedern und die Freundschaft, welche eine andere Form der Liebe ist, wenn sie richtig gelebt wird.
Begeistert hat mich auch die Schule, welche Eva Seith ersonnen hat und bei deren Beschreibung ich mich sofort an das Hogwarts Harry Potters erinnert fühlte. Diese Schule – die jedoch keinesfalls einen Abklatsch der Rowlingschen Zaubererschule darstellt, wie sich bereits am deren Namen ablesen lässt – besucht Lili, findet dort Freunde und lernt, mit ihren neuen Fähigkeiten umzugehen. Doch wie sollte es anders sein, sind auch die Regeln dieser Schule – wie die jeder anderen Schule auf der Welt – da, um gebrochen zu werden. Im bester Absicht natürlich besucht Lili verbotene Orte und macht nächtliche Ausflüge, um schneller im Stoff voranzukommen, denn ihre Hilfe ist gefragt!
Lili muss immer wieder erkennen, dass sie selbst wahrhaftig etwas ganz Besonderes ist.
Was den Leser dann in Lilis Ferien erwartet, ist ein wahres Feuerwerk der Phantasie! Eva Seiths Metaphern treffen auf den Punkt.
Lassen Sie sich entführen in Lilis phantastische Welt und genießen sie die Fabulierfreude der Autorin, die ich in jeder Zeile verspüren konnte! Ich freue mich bereits jetzt auf die Fortsetzung von Lillis Abenteuern und werde dieses Buch unbedingt meinem Enkel empfehlen!
Ein wahrer Lesegenuss!