»Intuitive Diagnostik« von Dr. Uwe Albrecht

Es ist ein Fachbuch, doch es ist nicht nur für Fachleute, sondern auch für interessierte Laien sehr aufschlussreich. Besonders der Untertitel auf dem Umschlag springt sofort ins Auge: ›Die evolutionäre innerwise-Methode‹.
Eine evolutionäre Diagnostik sollte nicht nur viele Naturheilkiundler und Heilpraktiker, sondern auch immer mehr Ärzte ansprechen. Wenn sich alle nur auf die moderne Apparatemedizin stützen, ufern nicht nur die Kosten in absehbarer Zukunft aus, sondern besonders der Mensch als Person bleibt immer mehr auf der Strecke. Und meiner Meinung nach nicht nur der Kranke.

Titelbild mit freundlicher Genehmigung des Verlags
Titelbild mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Dem vielseitig ausgebildeten Arzt Uwe Albrecht gelingt es bereits auf den ersten Seiten, den Leser zu fesseln. Schon der Lebensweg des Autors ist beeindruckend.
Er, der in der damaligen DDR wegen einer geringen körperlichen Behinderung nicht Medizin studieren durfte, wurde zunächst Krankenpfleger, verlor sein Ziel aber nicht aus den Augen. Nach der politischen Wende erhielt er seine Studienzulassung und wurde dann Mediziner. Nach seinem Studium ließ er sich in vielen alten und in unserem Kulturkreis relativ unbekannten Diagnose- und Heilsystemen ausbilden. So erlernte er unter anderem die alte Humorallehre, die auch als Viersäftelehre bekannt war, sowie in einem mehrjährigen Studium die traditionelle chinesische Medizin.
Doch er war immer weiter auf der Suche. Er war auf der Suche nach einem noch umfassenderen System der Diagnostik, denn er hatte begriffen, dass es keiner Apparate bedarf, um eine detailgenaue Diagnose zu stellen.
Schon diese Seiten sind so interessant, dass ich noch mehr über die Person hinter dem Autor erfahren wollte, der sich folgenden Satz auf die Fahne geschrieben hat:
»Ich bin Arzt und habe noch erlebt, dass Medizin und Heilung eine Kunst waren. Meine Aufgabe ist es, zu helfen, dass es wieder eine Kunst wird.«

Nach der kurzen Einführung kommt Uwe Albrecht schnell zur Sache. Im ersten Teil des Buches erläutert er die Grundlagen sowie die Technik seiner Methode.
Das tut er sehr sorgfältig und so allgemeinverständlich, dass es mir ein Leichtes war, seinen Gedanken zu folgen. Allerdings muss ich hier einflechten, dass ich eine mehrjährige naturheilkundliche Ausbildung absolviert habe. Ob es mir sonst genau so leicht gefallen wäre, vermag ich freilich nicht zu beurteilen.
Sehr stringent und zielgerichtet erläutert Albrecht die Idee, den Weg und die in seine Methode einfließenden Gedanken, die nicht an den Haaren herbeigezerrt sind, sondern wissenschaftlich belegt oder wenigstens auf sehr umfangreiche Beobachtungen begründet sind. Mich beeindruckte besonders der Bezug zur Quantenmechanik.
Dem Autor ist ganz besonders daran gelegen, die Heilkunst wieder so zu gestalten, dass jeder Patient als Individuum betrachtet wird. Erst dann ist sie ja eine Kunst.
Er geht ganz besonders auf all jene Störungen ein, die einer Wiederherstellung der Gesundheit eines Kranken im Weg stehen können. Sei es der sekundäre Krankheitsgewinn oder sonst ein anderer Grund, der verhindert, dass Genesung einsetzen kann. Albrecht nennt sie und zeigt, wie man sie zum Wohl des Kranken gezielt ausschalten kann.

Ich möchte die Methode hier natürlich nicht detailliert vorstellen. Nur soviel sei gesagt: Es geht hauptsächlich darum, sich einzulassen und seine Intuition zu nutzen.

Intuition, was soll das denn?, wird sich jetzt mancher Leser fragen. Gestatten Sie mir dazu zwei kurze Beispiele.
Als Kind war ich bei einem Heilpraktiker. Dieser Besuch hat mich sehr geprägt und später selbst dazu gebracht, mich mit alternativen Praktiken zu befassen. Ohne mich auch nur zu berühren, hat dieser Herr erkannt, welche Beschwerden ich damals hatte. Ich kann mich fast an jede Sekunde dieses Besuchs noch gut erinnern. Nachdem er mich lange angesehen und mir einige Fragen gestellt hatte, verordnete er mir folgendes Rezept:
»Sammle 14 Tage lang gemeinsam mit deiner Mutter täglich Schafgarbe. Lass dir daraus eine Kanne Tee bereiten. Diese Kanne Tee ist dann wie folgt zu trinken: Du trinkst 1 Tasse, deine Mutter trinkt 2 Tassen.«
Heute weiß ich natürlich, was er mit diesem ›Rezept‹ bezweckte und vor allem auch, warum meine Mama die doppelte Ration trinken musste.
Ich denke, auch dieser alte Heilpraktiker nutzte sehr stark die Kraft der Intuition, um seinen Klienten genau das richtige, für sie passende Mittel zu verabreichen. Ebenso wie ein früherer Hausarzt, der damals weit und breit bekannt war für seine genauen Diagnosen. Der nahm sich sehr viel Zeit für jeden seiner Patienten und ließ sie zuerst frei von der Leber weg erzählen. Dann brauchte er nur sehr wenige ›Handgriffe‹, und die Diagnose stimmte. Immer. Sogar Chirurgen verließen sich nahezu blind auf die von ihm getroffenen Einschätzungen.

Doch zurück zum Buch von Uwe Albrecht. Der hat eine ganz eigene Methode entwickelt, mit der man die individuellen Ergebnisse des Diagnostikers objektivieren kann. Er nennt sie »Kugelblick« und sie ist das eigentlich Schwierige an seiner Arbeitsweise. Es dauert ein wenig, bis man sich darauf eingelassen hat. Im Buch findet man umfassende Hinweise und Ratschläge sowie Übungen zu diesem und allen anderen Punkten. Doch nach einiger Übung bekommt man jedes Mal objektive, eindeutige und sogar nachvollziehbare (also auch von verschiedenen Personen wiederholbare!) Ergebnisse.

Im Anschluss nennt und erklärt der Autor seine Testmethoden und welche Fehlerquellen sie beinhalten. Natürlich kann man auch diese Quellen zum Versiegen bringen, um zu besseren Ergebnissen (im Sinn des Kranken) zu kommen.
Im Weiteren nimmt er sich des Mechanismus’ der Krankheitsentstehung an und all den inneren und äußeren, bewussten und unbewussten Einflüssen darauf.

Danach geht Albrecht auf die Voraussetzungen ein, die der Anwender seiner Methode mitbringen bzw. sich aneignen muss, um richtige Ergebnisse zu erhalten. Dafür gibt es wieder eigene Tests und Ausgleichmethoden. Fließend geht das Buch dann mit Übungen auf die einzelnen diagnostischen Methoden ein, die nochmals intensiv erläutert werden.
Am Ende des ersten Buchteils wird der Gesamtablauf einer diagnostischen Sitzung erläutert.

Teil zwei nimmt den weitaus größten Teil des Buches ein, welches insgesamt rund 360 Seiten umfasst. In diesem Teil des Werkes geht es sehr ausführlich um die Diagnostik der Organe, Strukturen, Rhythmen und Themen.
Hier wird, nach Körperregionen geordnet, jedes einzelne Organsystem vorgestellt, gedankliche Querverweise werden genannt und es wird auf zu beachtende Besonderheiten eingegangen. Immer wieder streut der Autor hier kurze Fallgeschichten aus seiner Praxis ein. Die verdeutlichen, worauf es bei der Diagnostik ankommt und auch darauf, wie richtig man oft mit seiner ersten, intuitiven Vermutung liegt.
Besonders gut fand ich in diesem Teil des Buches, dass der Autor auch auf Organe bzw. Organsysteme detailliert eingeht, die in der konventionellen Medizin ein Buch mit sieben Siegeln zu sein scheinen. Sogar das Blut kann mit dieser Methode eingehend untersucht und auch die Stimme kann in die Diagnostik einbezogen werden.

Im Anschluss an die Organe geht Albrecht darauf ein, wie man Nahrungsmittel, Genussmittel, Allergieauslöser, die Wirksamkeit von Medikamenten vor deren Verabreichung, die Einflüsse der Raumluft und z. B. elektronischer Strahlungen testen kann. – Das ist eine Fundgrube für jeden, der sich mit den Einflüssen von verschiedenen Stoffen auf den Körper beschäftigt!

Den dritten Teil seines Buches hat Albrecht »Ein Kurs im Fühlen – Einführung« betitelt. Hier geht er auf die neue Rolle von Ärzten und Therapeuten ein, gibt einen Ausblick auf neue Therapiesysteme und regt an, seine Sinne zu öffnen, um selbst wahrnehmen zu können.
Im Anschluss findet der geneigte Leser viele weitere Anregungen, was und wie mit der Methode des Dr. med. Uwe Albrecht getestet werden kann.
Abschließend findet das Protokoll einer fiktiven diagnostischen Sitzung seinen Platz im Buch. Auch hieraus kann man Anregungen entnehmen, eigene diagnostische Erfahrungen zu sammeln.

Und jetzt der meiner Meinung nach wichtigste Hinweis: Es geht nicht darum, der Ärzteschaft ins Handwerk zu pfuschen oder darum, sich selbst zu medikamentieren. Es geht vielmehr darum, selbst die Verantwortung für das eigene Dasein zu übernehmen und eine Entscheidungshilfe zu bekommen, wenn man eine solche treffen muss. Ich jedenfalls habe das Glück, bereits einen Mediziner entdeckt zu haben, der offen für diese Methodik ist.
Das Buch von Uwe Albrecht ist das Werk eines Visionärs, der hier ein einfach zu praktizierendes Werkzeug präsentiert, für das es nicht notwendig ist, Geräte oder Apparate zu haben. Wie würden heute beispielsweise Untersuchungen durchgeführt, wenn keine elektrische Energie vorhanden ist? – Das ist nur ein Szenario, in welchem Albrechts Methode meiner Meinung nach Revolutionäres zu leisten im Stande wäre.
Der Mensch kann sich damit wieder auf seine Sinne verlassen, die er viel zu lange vernachlässigt hat.
Ich möchte dieses Buch allen ans Herz legen, die sich für die Erhaltung und Wiederherstellung ihrer eigenen Gesundheit oder der ihrer Lieben einsetzen wollen. Und zwar dem Fachmann ebenso wie dem medizinischen Laien.
Ans Ende meiner Rezension möchte ich ein weiteres Zitat setzen. Dr. Albrecht schreibt: »Ich widme dieses Buch dem Entdeckergeist in jedem Menschen, der Einzigartigkeit jedes Menschen und der Schöpferkraft, die sich durch jeden Menschen manifestieren kann.«

Uwe Albrecht: »Intuitive Diagnostik« – Die evolutionäre innerwise-Methode«
im Mai 2015 erschienen im Knaur Verlag ISBN 978-3-426-65766-9
Überall im Buchhandel erhältlich zum Preis von 36,99 €