»Ich sag’s mit Sax«

›On Tour mit einer blondierten Saxophonistin‹lautet der Untertitel des Buchs, das ich Ihnen, sehr geehrte Leserinnen und Leser, in diesem Beitrag gern etwas näherbringen möchte.

Das Saxophon – oder vielmehr sein Klang – faszinierte mich bereits als Kind so stark, dass ich das Spielen dieses Instruments am liebsten erlernt hätte. Doch wie ist das so, wenn man fernab urbaner Metropolen aufwächst, wie ich dereinst? Es gab auf dem Land nur wenige Instrumentallehrer! Vor allem keine für das Sax und folglich gab es für mich auch keine Chance zum Erlernen dieses Instruments.
Anders erging es der Autorin des vorliegenden Buches. Die sympathische Blondine mit dem Mund auf dem rechten Fleck hat das Blasen dieses Instruments erlernt. Auch sie erlag bereits in Kindertagen den wundervollen, einschmeichelnden Klängen der „Kanne“, wie sie das Instrument scherzhaft nennt, welches als eines der letzten seinen Eroberungszug rund um die Welt antrat.
Kathrin Eipert öffnet dem Leser dieses Buches ihr Archiv. Nein, nicht nur das, in welchem sie ihre Fotos aufbewahrt, sondern auch und vor allem ihr inneres Archiv. Das, in dem all die Erinnerungen, Eindrücke und auch all die Emotionen gespeichert sind, denen die Profimusikerin tagtäglich ausgesetzt ist und in das sie uns nun hineinspähen lässt.

Sax
Sehr eindrücklich beschreibt die Autorin ihre erste Begegnung mit der Musik und ihren Musiklehrern, die oft nicht so viel Spaß verstanden, wie die sympathische Blondine aus der Gegend um Halle.
Sie öffnet dem Leser aber nicht nur ihre Archive, sondern macht vor allem Lust auf den Klang von „Miss Black“, wie sie ihr Schmuckstück fast schon liebevoll nennt. Ja, es ist wohl so etwas wie eine Liebesbeziehung, die die Vollblutmusikerin mit ihrem Sax führt.
Mal plaudert sie im Buch aus dem berühmten Nähkästchen, mal erzählt sie Geschichten von Begegnungen, die ergriffen machen und berühren. Und an anderer Stelle lässt die Lektüre den Spaß, die Lust und die Freude spüren, die die Künstlerin beim Spielen hat. Immer dann natürlich am meisten, wenn sie Menschen begegnet. Ob das Prominente sind oder ganz normale Menschen, ist dabei völlig Irrelevant. Immer steht für Kathrin Eipert der Mensch im Vordergrund.
Auch die kleinen oder großen Fettnäpfe, in die sie in ihrer Karriere mitunter trat, spart sie nicht aus.  Doch solche im Moment sicher unschönen Situationen nutzt die Profimusikerin, um an ihnen zu wachsen.
Mitunter meinte ich beim Lesen, die Autorin hätte nebenbei auch eine psychologische Ausbildung erhalten. Besonders jene Stellen gingen mir sehr nahe, an denen sie über „Miss Black“ erzählt. Als dieses Instrument, das im Flugzeug stets seinen eigenen Sitzplatz bekommt, dann auch noch selbst zu Wort kommt, findet dieses Buch für mich einen seiner vielfältigen Höhepunkte. Gerade diese Textstellen sind so voll von feinsinnigen Beobachtungen und sensiblen Schilderungen, dass man die Liebe zwischen Musikerin und Instrument fast schon greifen kann. Spüren kann man sie auf jeder Seite dieses faszinierenden Buchs.
Ganz nebenbei erfährt man übrigens, dass Kathrin Eipert auch als Saxophonlehrerin arbeitet und obendrein noch ein Kinder- und Jugend-Saxophonorchester leitet. – Heute wäre mein Wunsch nach der Ausbildung im Saxophonspielen also realisierbar. Jedenfalls, wenn ich in der Gegend um Halle zuhause wäre.
Die wundervollen Fotos, die unter anderem einige Höhepunkte aus der Karriere der Kathrin Eipert illustrieren, runden die hochwertig aussehende Broschüre ab.

Für mich ist dieses Buch aus dem Geraer Adakia-Verlag eine absolute Leseempfehlung. Nicht nur für Freunde der Musik oder speziell des Saxophons – für solche sollte es ohnehin zur Pflichtlektüre werden – nein, auch Leser, die Freude an Menschen und Begegnungen haben, kommen voll und ganz auf ihre Kosten.