»Buen Camino – Mit Rucksack statt Nagellack auf dem Jakobsweg«

Dieses Buch erzählt die Geschichte eines erfolgreichen Scheiterns und ist somit ungewöhnlich in der Literaturlandschaft. Insbesondere, da es von einer Selbstbewusstseins-Trainerin geschrieben wurde.
Der erste Satz, der mir in diesem sehr gut durchstrukturierten Buch auffiel, war: »Scheiter heiter!«, der zugleich das Motto dieses Buchs sein könnte.
Die Autorin erzählt in einer erfrischenden, witzigen und lockeren Art über ihren persönlichen Jakobsweg. Der nach Tagen geordnete Text beginnt mit ihren ersten Gedanken an das Pilgern, weiter geht es über die ersten konkreten Planungen bis hin zur Reise selbst, die von Anfang an mit allerlei Tücken aufwartet. Wie zu erwarten schließt er mit dem Scheitern und der nicht minder tückischen Heimreise der Gisa S., wobei letztere schließlich erheblich länger dauerte als geplant.
Doch aus allen Begegnungen, ja selbst aus Missgeschicken zieht die Autorin ihre Lehren, die sie am Ende jedes Kapitels noch einmal kurz zusammenfasst. Allein diese Tipps, die jeweils als »Botschaft des Tages« daherkommen, sind die Lektüre wert.

Das Cover des Buches mit freundlicher Genehmigung der Autorin

In relativ kurze, leicht verdauliche Abschnitte unterteilt liest sich das Buch sehr flott und ist ausgesprochen unterhaltsam. Der Leser erfährt unter anderem, dass die Autorin, wenn sie nicht in Sachen Pilgern unterwegs ist, die Kleidungsfarbe Rot präferiert. Er erfährt weiterhin, dass Reisebekanntschaften nicht immer das sind, was sie vorgeben, dass Freundschaftsdienste sich sehr schnell in Bärendienste verwandeln können, dass man sich immer mehrmals trifft, dass man bei der Auswahl der Unterkünfte den gesunden Menschenverstand nicht vernachlässigen sollte, welche schmerzlindernde Wirkung ein Paar rote Schuhe bei der Autorin haben kann und vieles mehr. Ob man mit dem Gelernten nun eine eigene Pilgerreise vorbereiten oder »nur« etwas fürs Leben lernen möchte, bleibt dahingestellt.
In einem der letzten Kapitel erfährt der Wissensdurstige zudem noch allerlei Wissenswertes von A bis Z über den Camino und kann im vorletzten Kapitel auf eine ausführliche Packliste für den eigenen Jakobsweg oder andere Pilgertouren zurückgreifen. Abschließend gibt es noch eine kompakte Packliste zum Abhaken.

Insgesamt ist das bei Tredition erschienene Buch sehr gut lesbar und ausgesprochen unterhaltsam. Es ist sicherlich keine Perle der Hochliteratur, doch diesen Anspruch hat es erst gar nicht. Dafür lernt der Leser die Autorin uns ihre Eigenarten ziemlich gut kennen und kann sich ein gutes Bild von den Strapazen machen, die ein solcher Pilgerweg bedeuten kann.
Ich hoffe für Frau Steeg, dass ihre Unterschenkel inzwischen wieder ihre normale Form und Größe angenommen haben, und wünsche ihr für die zukünftige Fortsetzung ihrer Pilgerreise schon jetzt: Buen Camino!