Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (2)

Heute greife ich den Bericht von meinem Besuch in der Naumburger Kathedrale wieder auf.
Meine Begleiterin und ich sitzen also im Langhaus des Doms und ich hatte Zeit, im Dom anzukommen.
Als ich sie nach zwei Minuten erwartungsvoll ansehe, beginnt sie, die Historie des Doms vor mir auszubreiten.
Die Geschichte dieser Kathedrale beginnt 1028 mit der Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz in die Saalestadt unter Bischof Hildeward. Es wird vermutet, dass die Markgrafen von Meißen die Verlegung des Bischofssitzes betrieben. Diese hießen Hermann I. und Ekkehard II. und sind noch heute fest mit dem Naumburger Dom verbunden. Doch dazu später mehr.
Der ursprüngliche Dom aus dem elften Jahrhundert ist bis auf ein paar Mauerreste heute nahezu vollständig verschwunden. Historische Quellen berichten ab 1211/12 von einer umfangreichen Bautätigkeit rund um den Dom und an ihm selbst. In diesen Jahren – während der Regentschaft Bischof Engelhards – dürfte die Entscheidung für den engagierten Neubau der Bischofskirche gefallen sein. „Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (2)“ weiterlesen

Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (1)

Das riesige Gebäude, vor dem ich an diesem heißen Tag im Juli stehe, ist mir seit langem bekannt. In meiner Kinderzeit hastete ich oft an ihm vorüber, in meinen Jahren als Jüngling habe ich ihn des Öfteren von innen gesehen. Damals habe ich beispielsweise eine Führung mitgemacht und Konzerte besucht. An eines davon kann ich mich besonders erinnern. Der Kreuzchor aus Dresden sang mit Orgelbegleitung in der Vorweihnachtszeit. Der Chor setzte genau so ein wie auf der Schallplatte, die ich zu Hause hatte. – Himmlisch!
Nun stehe ich wieder vor St. Peter und Paul, von dem mein Geschichtslehrer begeistert zu berichten wusste, dass er der einzige Dom nördlich der Alpen sei, welcher in zwei Baustilen erbaut wurde. Das erkennt man bereits von außen an den unterschiedlich geformten Turmpaaren. Doch dazu erzähle ich später mehr.

Weithin sichtbar erheben sich die vier Türme von St. Peter und Paul über die Häuser der Stadt (mit freundlicher Unterstützung der Vereinigten Domstifter, Foto M. Rutkowski)
Weithin sichtbar erheben sich die vier Türme von St. Peter und Paul über die Häuser der Stadt (mit freundlicher Unterstützung der Vereinigten Domstifter, Foto M. Rutkowski)

Seit meinem letzten Besuch hier sind gut 10 Jahre vergangen und ich bin freudig erregt, den Dom, diesen alten Bekannten, gleich wiederzusehen. Ich bin mit einer jungen Kulturpädagogin verabredet, die mich durch den Dom und die Domschatzkammer führen wird. Zugegebenermaßen bin ich etwas skeptisch, ob ich nach all den Umbauten und Renovierungen in den vergangenen Jahren ›meinen‹ Dom wiedererkennen werde. „Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (1)“ weiterlesen

Zu Besuch bei den Halleschen Salzsiedern

Auch in unserer modernen Zeit gibt es Traditionen, die weit in die Ära unserer Vorväter zurückreichen und auf den ersten Blick mitunter recht altertümlich anmuten. An einem heißen Sommertag mache ich mich auf die Spur einer solchen Tradition. Ich fahre nach Halle an der Saale. Schon der Name »Halle« weist auf die Bedeutung der Stadt als Salzmetropole hin. Alle Städte, die heute noch die Silbe »Hall« im Namen führen, wie etwas Schwäbisch Hall, Hallstatt, Hallein oder auch Halle in Westfalen, hatten einst eine große Bedeutung in der Salzgewinnung und im Salzhandel. Auch in Halle an der Saale reicht die Geschichte des Salzes mindestens bis in die Bronzezeit zurück und ist hier ganz eng verbunden mit den Halloren.
Die Mitglieder der Halleschen Salzwirkerbrüderschaft mit ihren historischen Trachten waren mir vor einigen Jahren bei einem Umzug aufgefallen. Besonders ihr eindrucksvolles Fahnenschwenken und das Fischerstechen waren mir zu späteren Anlässen in lebhafter Erinnerung geblieben. Ich weiß, dass die Halloren auf eine lange Tradition zurückblicken können. Um sie ranken sich im Volksmund noch immer Sagen und Legenden. Vor allem ist es natürlich der sagenhafte Silberschatz der Halloren, der in den Köpfen vieler Menschen präsent ist. – Wo gibt es in unserer heutigen Zeit schon noch einen echten Schatz!
Doch eigentlich weiß ich so gut wie nichts über die Halloren. Das wird mir ausgerechnet in dem Moment bewusst, als ich an diesem heißen Vormittag vor der Halleschen Saline stehe. Hier ist heute gleichsam die Zentrale der Halloren.

Ich bin gewillt, meine Wissenslücken so gut wie möglich zu füllen. Obwohl … ganz sicher bin ich mir nicht, dass mir das heute wirklich gelingen wird. Weil der Vorstandsvorsitzende des Vereins an diesem Tag nicht greifbar sei, hatte die Dame aus der Verwaltung am Telefon gesagt, ich solle nach einem gewissen Herrn Michelson fragen. Der würde sich auch ganz gut mit der Materie auskennen, meinte sie. Also stehe ich kurz darauf an der Kasse, frage nach diesem Herrn und hoffe insgeheim, dass er mir wenigstens eine kurze Einführung zu den Halloren geben kann. „Zu Besuch bei den Halleschen Salzsiedern“ weiterlesen

Begeisterndes Mitteldeutschland

Ich gestehe: Ich bin begeistert!
Wovon? – Von Mitteldeutschland. Absolut.
Sie wollen wissen, woher diese Begeisterung stammt? – Ich bin ein Kind Mitteldeutschlands. Ich bin in Sachsen-Anhalt geboren und zur Schule gegangen, war in Sachsen zum ersten Mal verliebt und lebe heute im schönen Thüringen.
Genügt das zur Begründung? – Nein? Dann hole ich für Sie gern ein wenig weiter aus.
Mein Geschichtslehrer – übrigens ein Junglehrer und ehemaliger Bergmann – hat uns Kindern mit viel Enthusiasmus nähergebracht, in welcher geschichtlichen Schatzkammer wir lebten. Das war in meinem Geburtsort Nebra, einer kleinen, verträumten Stadt am Lauf der Unstrut.
Schätze? Welche Schätze sind dort schon zu finden? Dort, im ehemaligen Arbeiterbezirk Halle!
Wenn ich eine Aufzählung beginnen würde, nähme sie schnell ungeheure Ausmaße an. Ich begnüge mich mit einer Aufzählung, die ich noch aus dem Schulunterricht kenne:
– In dem kleinen Dorf Memleben war wohl die Lieblingspfalz der ersten ›deutschen‹ Könige und Kaiser.
– Zu Naumburg steht der einzige Dom nördlich der Alpen, der in zwei Baustilen errichtet wurde. Doch die unterschiedlichen Turmpaare sind nur die weithin sichtbaren Kennzeichen dieser ehemaligen Bischofskirche. In ihrem Innern gibt es weit mehr zu bestaunen, als man glauben mag.
– Als ein Drittes möchte ich die Stadt Eisleben nennen. In dieser Stadt stehen sowohl das Geburts- als auch das Sterbehaus des Reformators Martin Luther, der mit seinen 95 Thesen ›wider den Ablass‹ die Kirche reformieren wollte und ungewollt zum theologischen Urheber ihrer Spaltung wurde.
All diese geschichtsträchtigen Orte sind nicht weiter als dreißig Kilometer von meiner Geburtsstadt entfernt, die heute für ein anderes Kleinod selbst weltweit bekannt ist. Davon wird noch zu berichten sein.
Vermochten diese Beispiele, Ihnen meine Begeisterung näherzubringen? „Begeisterndes Mitteldeutschland“ weiterlesen