Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (4)

Heute greife ich zum letzten Mal meinen Bericht aus der Vorwoche auf. Wir waren also die Treppe vom Ostchor heruntergekommen.

Unten angelangt verlassen wir den Dom und betreten den Kreuzgang. Während Jessica Buchwald kräftig ausschreitet, brauche ich einige Sekunden, um hier anzukommen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich, wie in bodenlange Kutten gewandete Geistliche unter diesen wunderschönen Kreuzgewölben dahinwandeln und den Rosenkranz im stillen Gebet durch ihre Finger gleiten lassen. Als Frau Buchwald stehenbleibt, werde ich wieder ins Hier und Jetzt gerissen und folge ihr in Richtung des Schatzgewölbes. Auf unserem Weg begegnen uns auch hier einige »Glanzlichter«. „Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (4)“ weiterlesen

Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (3)

Noch immer stehen wir vor dem Westlettner und ich bin total in dessen Anblick versunken.

Jetzt schlüpfen wir unter den ausgestreckten Armen Jesu hindurch und befinden uns im Westchor. Wieder gibt mir Jessica Buchwald ausreichend Zeit, den Raum zuerst auf mich wirken zu lassen. – Und er wirkt gewaltig! Wie bereits bei all meinen vorherigen Besuchen im Dom ist es eine Kombination aus völlig verschiedenen Bestandteilen, die diese Wirkung verursacht.
Da sind zum einen die riesengroßen, bunten Bleiglasfenster, welche die Rückwand des Chores dominieren und das Licht im Innern weich und zart erscheinen lassen. Zum Zweiten sind es die lebensgroßen Figuren der Stifter, die für viele Besucher die Bekanntheit dieses Doms ausmachen. Jeder kennt schließlich die Frage aus Kreuzworträtseln: Stifterfigur im Naumburger Dom? Ja, »Uta« ist die Lösung, auf sie kommen wir gleich zurück.
Und zum Dritten ist es der Raum selbst. Dieser erste und zugleich großartigste gotische Raum im weiten Umkreis um die Saalestadt, wirkt in seiner künstlerischen Vollkommenheit auf mich. Auch hier, im Innern des Chores, fallen mir die vielen fast schwebenden Blätter auf, mit denen hier weiter so meisterhaft dekoriert wurde, dass es leicht und spielerisch wirkt.
Jessica Buchwalds Begeisterung scheint in diesem Raum ebenfalls einen neuen Schub zu bekommen. „Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (3)“ weiterlesen

Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (2)

Heute greife ich den Bericht von meinem Besuch in der Naumburger Kathedrale wieder auf.
Meine Begleiterin und ich sitzen also im Langhaus des Doms und ich hatte Zeit, im Dom anzukommen.
Als ich sie nach zwei Minuten erwartungsvoll ansehe, beginnt sie, die Historie des Doms vor mir auszubreiten.
Die Geschichte dieser Kathedrale beginnt 1028 mit der Verlegung des Bistumssitzes von Zeitz in die Saalestadt unter Bischof Hildeward. Es wird vermutet, dass die Markgrafen von Meißen die Verlegung des Bischofssitzes betrieben. Diese hießen Hermann I. und Ekkehard II. und sind noch heute fest mit dem Naumburger Dom verbunden. Doch dazu später mehr.
Der ursprüngliche Dom aus dem elften Jahrhundert ist bis auf ein paar Mauerreste heute nahezu vollständig verschwunden. Historische Quellen berichten ab 1211/12 von einer umfangreichen Bautätigkeit rund um den Dom und an ihm selbst. In diesen Jahren – während der Regentschaft Bischof Engelhards – dürfte die Entscheidung für den engagierten Neubau der Bischofskirche gefallen sein. „Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (2)“ weiterlesen

Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (1)

Das riesige Gebäude, vor dem ich an diesem heißen Tag im Juli stehe, ist mir seit langem bekannt. In meiner Kinderzeit hastete ich oft an ihm vorüber, in meinen Jahren als Jüngling habe ich ihn des Öfteren von innen gesehen. Damals habe ich beispielsweise eine Führung mitgemacht und Konzerte besucht. An eines davon kann ich mich besonders erinnern. Der Kreuzchor aus Dresden sang mit Orgelbegleitung in der Vorweihnachtszeit. Der Chor setzte genau so ein wie auf der Schallplatte, die ich zu Hause hatte. – Himmlisch!
Nun stehe ich wieder vor St. Peter und Paul, von dem mein Geschichtslehrer begeistert zu berichten wusste, dass er der einzige Dom nördlich der Alpen sei, welcher in zwei Baustilen erbaut wurde. Das erkennt man bereits von außen an den unterschiedlich geformten Turmpaaren. Doch dazu erzähle ich später mehr.

Weithin sichtbar erheben sich die vier Türme von St. Peter und Paul über die Häuser der Stadt (mit freundlicher Unterstützung der Vereinigten Domstifter, Foto M. Rutkowski)
Weithin sichtbar erheben sich die vier Türme von St. Peter und Paul über die Häuser der Stadt (mit freundlicher Unterstützung der Vereinigten Domstifter, Foto M. Rutkowski)

Seit meinem letzten Besuch hier sind gut 10 Jahre vergangen und ich bin freudig erregt, den Dom, diesen alten Bekannten, gleich wiederzusehen. Ich bin mit einer jungen Kulturpädagogin verabredet, die mich durch den Dom und die Domschatzkammer führen wird. Zugegebenermaßen bin ich etwas skeptisch, ob ich nach all den Umbauten und Renovierungen in den vergangenen Jahren ›meinen‹ Dom wiedererkennen werde. „Der Dom St. Peter und Paul zu Naumburg (1)“ weiterlesen