Zu Besuch bei den Halleschen Salzsiedern

Auch in unserer modernen Zeit gibt es Traditionen, die weit in die Ära unserer Vorväter zurückreichen und auf den ersten Blick mitunter recht altertümlich anmuten. An einem heißen Sommertag mache ich mich auf die Spur einer solchen Tradition. Ich fahre nach Halle an der Saale. Schon der Name »Halle« weist auf die Bedeutung der Stadt als Salzmetropole hin. Alle Städte, die heute noch die Silbe »Hall« im Namen führen, wie etwas Schwäbisch Hall, Hallstatt, Hallein oder auch Halle in Westfalen, hatten einst eine große Bedeutung in der Salzgewinnung und im Salzhandel. Auch in Halle an der Saale reicht die Geschichte des Salzes mindestens bis in die Bronzezeit zurück und ist hier ganz eng verbunden mit den Halloren.
Die Mitglieder der Halleschen Salzwirkerbrüderschaft mit ihren historischen Trachten waren mir vor einigen Jahren bei einem Umzug aufgefallen. Besonders ihr eindrucksvolles Fahnenschwenken und das Fischerstechen waren mir zu späteren Anlässen in lebhafter Erinnerung geblieben. Ich weiß, dass die Halloren auf eine lange Tradition zurückblicken können. Um sie ranken sich im Volksmund noch immer Sagen und Legenden. Vor allem ist es natürlich der sagenhafte Silberschatz der Halloren, der in den Köpfen vieler Menschen präsent ist. – Wo gibt es in unserer heutigen Zeit schon noch einen echten Schatz!
Doch eigentlich weiß ich so gut wie nichts über die Halloren. Das wird mir ausgerechnet in dem Moment bewusst, als ich an diesem heißen Vormittag vor der Halleschen Saline stehe. Hier ist heute gleichsam die Zentrale der Halloren.

Ich bin gewillt, meine Wissenslücken so gut wie möglich zu füllen. Obwohl … ganz sicher bin ich mir nicht, dass mir das heute wirklich gelingen wird. Weil der Vorstandsvorsitzende des Vereins an diesem Tag nicht greifbar sei, hatte die Dame aus der Verwaltung am Telefon gesagt, ich solle nach einem gewissen Herrn Michelson fragen. Der würde sich auch ganz gut mit der Materie auskennen, meinte sie. Also stehe ich kurz darauf an der Kasse, frage nach diesem Herrn und hoffe insgeheim, dass er mir wenigstens eine kurze Einführung zu den Halloren geben kann. „Zu Besuch bei den Halleschen Salzsiedern“ weiterlesen

Begeisterndes Mitteldeutschland

Ich gestehe: Ich bin begeistert!
Wovon? – Von Mitteldeutschland. Absolut.
Sie wollen wissen, woher diese Begeisterung stammt? – Ich bin ein Kind Mitteldeutschlands. Ich bin in Sachsen-Anhalt geboren und zur Schule gegangen, war in Sachsen zum ersten Mal verliebt und lebe heute im schönen Thüringen.
Genügt das zur Begründung? – Nein? Dann hole ich für Sie gern ein wenig weiter aus.
Mein Geschichtslehrer – übrigens ein Junglehrer und ehemaliger Bergmann – hat uns Kindern mit viel Enthusiasmus nähergebracht, in welcher geschichtlichen Schatzkammer wir lebten. Das war in meinem Geburtsort Nebra, einer kleinen, verträumten Stadt am Lauf der Unstrut.
Schätze? Welche Schätze sind dort schon zu finden? Dort, im ehemaligen Arbeiterbezirk Halle!
Wenn ich eine Aufzählung beginnen würde, nähme sie schnell ungeheure Ausmaße an. Ich begnüge mich mit einer Aufzählung, die ich noch aus dem Schulunterricht kenne:
– In dem kleinen Dorf Memleben war wohl die Lieblingspfalz der ersten ›deutschen‹ Könige und Kaiser.
– Zu Naumburg steht der einzige Dom nördlich der Alpen, der in zwei Baustilen errichtet wurde. Doch die unterschiedlichen Turmpaare sind nur die weithin sichtbaren Kennzeichen dieser ehemaligen Bischofskirche. In ihrem Innern gibt es weit mehr zu bestaunen, als man glauben mag.
– Als ein Drittes möchte ich die Stadt Eisleben nennen. In dieser Stadt stehen sowohl das Geburts- als auch das Sterbehaus des Reformators Martin Luther, der mit seinen 95 Thesen ›wider den Ablass‹ die Kirche reformieren wollte und ungewollt zum theologischen Urheber ihrer Spaltung wurde.
All diese geschichtsträchtigen Orte sind nicht weiter als dreißig Kilometer von meiner Geburtsstadt entfernt, die heute für ein anderes Kleinod selbst weltweit bekannt ist. Davon wird noch zu berichten sein.
Vermochten diese Beispiele, Ihnen meine Begeisterung näherzubringen? „Begeisterndes Mitteldeutschland“ weiterlesen