»Kompendium der Kriminalistik« – Neuauflage

»Kompendium der Kriminalistik« Dr. Manfred Lukaschewski, erschienen in zwei Bänden beim Main Verlag Rostock

Die Neuauflage des Kompendiums der Kriminalistik, dessen vorherige Auflage sich bereits zum Standardwerk entwickelte und meiner Kenntnis nach sogar an einigen Polizeischulen als Unterrichtsmaterial Verwendung findet, überrascht mich in mehrerlei Hinsicht.
Einmal überrascht es, da es in einem andern Verlag erscheint, zum anderen, dass es in einem neuen Kleid daherkommt. Und zum Dritten überrascht es mit seinem überaus günstigen Preis.

Doch beginnen wir mit dem Verlag. Die beiden Bände des Kompendiums sind der Auftakt einer Buchserie des Autors, die der Main Verlag Rostock unter dem Label »Antheum facts« in der Reihe »Kriminalistik in Theorie und Praxis veröffentlichen wird. Mit dem neuen Verlag erklärt sich auch das neue Äußere der Bücher.
Beachtenswert ist allerdings der für Fachbücher phänomenal niedrige Preis der Bände.

Der Titel des ersten Bandes
mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Worum geht es nun in diesem Standardwerk, das tatsächlich nur einen Autor hat?
Wie im Vorwort erwähnt wird, sollen diese Bücher, dem Kriminalisten das nötige Handwerkszeug geben, damit er in der Lage ist, Sachverhalte besser einzuschätzen und schnelle Entscheidungen fällen zu können.
Doch nicht nur Kriminalisten können von diesem Werk profitieren. Meiner Meinung nach sollte jeder Polizist diese Bände griffbereit haben, um sein Wissen über bestimmte Vorgehensweisen immer weiterzuentwickeln. Ebenso kann sicher auch so mancher Jurist an diesem umfangreichen Wissenskatalog profitieren. Sogar Ärzte, welche die amtliche Totenschau durchzuführen haben, können vom Wissen, das sie aus diesem Werk gewinnen können, profitieren. Zuletzt möchte ich hier die Gilde der Kriminalautoren erwähnen, die oft und gern aus dem Wissenspool des Autors schöpfen, um die Beschreibungen von Tatvorgängen und Tatorten in ihren Büchern wirklichkeitsnäher erscheinen zu lassen.

Unter einzelnen Stichworten von A wie Abbrand über Maschinenschriften und Opferbefragung bis Zytologie hat Dr. Manfred Lukaschewski teils umfangreiche Erläuterungen zusammengefasst. Teilweise gehen sie – so die Notwendigkeit vorliegt – sehr ins Detail. Der Autor stellt selbst gewisse Straftatbestände in ihren Grundzügen dar, damit sie vom Sachbearbeiter besser eingeordnet werden können. Sie sollen ein gewisses praktisches Wissens-Grundgerüst darstellen.

Am Ende der beiden Bände findet sich ein umfangreicher Anhang mit Abkürzungs- und Quellenverzeichnis sowie einige begleitende Erklärungen, die sich in der Hauptsache darum drehen, den Kriminalisten darüber aufzuklären, wie bei unnatürlichen Todesfällen taktisch richtig vorzugehen ist.

Der Titel des zweiten Bandes
mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Dieses Standardwerk sollte meiner Meinung nach unbedingt in die Ausbildung jedes Organs der Rechtspflege sowie jedes Arztes einbezogen werden, damit möglichst kein Straftäter ungestraft davonkommt.

Der Autor Dr. Manfred Lukaschewski hat das Universitätsstudium der Kriminalistik an der Humbold-Universität Berlin absolviert und tritt seit Jahren engagiert dafür ein, dass dieser Studiengang in Deutschland wiederbelebt wird. Nicht etwa um des Studiums willen, sondern ganz einfach, weil die Kriminalistik eine sehr umfassende Wissenschaft ist, die man nicht mal nebenbei erlernen kann.
Selbst die einzelnen Teile dieser Wissenschaft sind so komplex, dass ein Hochschulstudium gerade dafür ausreichen würde, ihre Grundlagen zu erlernen.
Unserer gesamten Gesellschaft müsste es doch darum gehen, Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen. Und damit meine ich nicht nur jene Opfer, die nicht mehr unter den Lebenden weilen.
Mich begeistern einmal mehr die Exaktheit und das Engagement, die der Autor mit diesem umfangreichen Werk (jeder der beiden Bände enthält über 370 Seiten) an den Tag legt.

Dr. Manfred Lukaschewski
»Kompendium der Kriminalistik A-M« 24,00€
ISBN 978-3-95949-330-7

Kompendium der Kriminalistik N-Z« 24,00€
ISBN 978-3-95949-331-4
beide erschienen im Main Verlag Rostock

Morden für Anfänger

Dieses Büchlein richtet sich nicht etwa, wie der Titel »Morden für Anfänger« vielleicht vermuten ließe, an Killer-Azubis, sondern an die Gilde der ›Krimischreiber‹, wie der Autor sie liebevoll bezeichnet.
Ebenso liebevoll sieht er ihnen so manchen Lapsus nach, den sie in den Handlungsabläufen ihrer Bücher begehen. Der Diplom-Physiker und Diplom-Kriminalist hingegen ist ein Mann vom Fach, denn er war jahrzehntelang selbst Chef einer Mordkommission.
Genau aus diesem Grund liefert er mit diesem Büchlein, das im Fehnlandverlag Rhauderfehn erschienen ist, wieder einmal ein Standardwerk ab. Denn meines Wissens gibt es keinen weiteren – und erst recht keinen besseren – Ratgeber für Krimiautoren dieses Inhalts auf dem Markt.

Das Titelbild mit freundlicher Erlaubnis des Verlags

Das Buch enthält augenscheinlich »nur« 43 Tipps, doch in Wirklichkeit sind es unendlich viele mehr, denn Lukaschewski berichtet anhand konstruierter oder tatsächlich geschehener Tat- und Aufklärungshergänge aus dem Leben eines echten Commissarios.
Mancher Krimiautor hat sich in der Vergangenheit sicher schon mal eine Gelegenheit gewünscht, einen leibhaftigen Kriminalisten ausquetschen zu dürfen.
Dieser Kriminalist im (Un-)Ruhestand erspart sich die Befragung und erzählt im lockeren Plauderton völlig freiwillig, welche Fallstricke im Krimigeschehen auch an unerwarteter Stelle lauern können.

Er spart dabei nicht mit Seitenhieben auf verschiedene Menschengruppen, die oft und gern an Tatorten auftauchen und die Ermittler damit von ihrer Arbeit abhalten bzw. diese Arbeit unnötig erschweren. Doch der promovierte Jurist Lukaschewski spart auch nicht mit nadelstichartigen Hinweisen, beispielsweise auf die mangelhafte Qualität der Kriminalisten-Ausbildung in Deutschland oder die föderalismusbedingte Zerrissenheit der Aufklärungsarbeit.

Die meisten Tipps jedoch, die Lukaschewski gibt, sind tatsächlich wohlmeinende, die sich an die Krimiautoren richten. Dabei könnte dieses Büchlein mit Sicherheit auch andere Interessenten finden. Von den bereits im Untertitel erwähnten Krimilesern über (Tatort-)Drehbuchschreiber bis hin zu den (glaubt man dem Autor) nicht erst neuerdings mangelhaft ausgebildeten Kriminalisten landauf, landab reicht die Palette derer, die von diesem Büchlein, das für erschwingliche 12,00 Euro zu erstehen ist, profitieren könnte.

Wer nach der Lektüre dieses Büchleins, das durchaus seinen Platz auf dem Schreibtisch jedes ambitionierten Krimischreibers finden sollte, gern noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, weil sie oder er »Blut geleckt« hat, dem seien die drei Bände des vor längerer Zeit besprochenen »Kompendium der Kriminalistik«, die aus der Feder desselben Autors stammen, dringend ans Herz gelegt.