»Die Beurteilung der Leichenliegezeit« von Dr. Manfred Lukaschewski

Über die Themen Tod und Leichen wird in unserer Gesellschaft leider sehr oft der Mantel des Stillschweigens gebreitet. Dabei sind diese Themen nicht nur aus ethischer, sondern auch aus forensischer Sicht sehr interessant. Vielen von uns sind die Ermittlungen an und um Leichen aus den CSI-Serien hinlänglich bekannt.

Nach dem Auffinden einer Leiche, bei welcher ein unnatürlicher Tod festgestellt wurde, kann es für die Ermittler darauf ankommen, den Zeitpunkt des Todeseintritts so genau als möglich zu kennen. Dabei kann es unter anderem darum gehen, mit wem der Verstorbene zu diesem Zeitpunkt zusammen war oder eben nicht.

Mit dem Eintritt des Todes setzen unumkehrbare und nur schwer aufzuhaltende Prozesse ein, die sich unter anderem im Aussehen des Leichnams zeigen.
Deshalb ist es für die Mitarbeiter der Kriminalpolizei, der Staatsanwaltschaft sowie für die den Tod bescheinigenden Ärzte wichtig, die Stadien dieses Prozesses am äußeren Erscheinungsbild jedes Leichnams zu erkennen. Beim Vorliegen einer möglichen Straftat ist davon unter anderem abhängig, wie schnell etwaige Tatverdächtige ermittelt werden können.

Das Buchcover mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Wie von den beiden vorangegangenen Bänden dieser Serie gewohnt geht Lukaschewski auch diesmal systematisch vor.
Ausgehend von einigen Rechtsgrundlagen rund um das Thema Leiche geht er sodann folgerichtig zu einem kurzen Abriss der Thanatologie über, also der Wissenschaft, die den Tod, das Sterben und die Bestattung sowie damit verbundene Rituale zum Forschungsgegenstand hat.
Wer beschäftigt sich im Alltag schon mit den klar definierten Phasen des Todeseintritts. Diese Phasen zu kennen und voneinander zu unterscheiden kann unter anderem dabei helfen, den Todeszeitpunkt anhand vorliegender Zeugenaussagen genau festzustellen. In diesem Abschnitt geht der Autor unter anderem auf die Begriffe klinischer Tod, Hirntod und biologischer Tod ein, die ebenfalls eine Rolle spielen können, wenn der Todeseintritt z.B. im medizinischen Umfeld eintrat.
Des Weiteren geht es im Buch folgerichtig um die ärztliche Leichenschau, die sicheren Todeszeichen, die Totenflecken und die Totenstarre.

Daran anschließend erklärt Lukaschewski neben anderen Stadien u.a. Vertrocknung und Abkühlung, Autolyse, Fäulnis und Verwesung, um dann über die Besiedelung durch Insekten zum Tierfraß zu kommen.

Im Anschluss erläutert der Autor supravitale Reaktionen und Mumifizierung, um den Hauptteil schließlich mit der Liegezeitbestimmung bei vergrabenen Leichen zu beenden.

Abschließend folgt noch ein, wie ich finde, recht spannendes Kapitel zu Body Farmen sowie eine Zusammenfassung.
Im Anhang findet sich neben dort üblichen Angaben etwa über den Autor und verwendete Quellen noch ein Bildteil mit einigen Abbildungen, die den Textteil ergänzen.

Mit dem vorliegenden 92-Seiten-Büchlein ist dem Autor einmal mehr ein Handbuch für den Einsatz im Umfeld des Auffindeorts bzw. Tatorts gelungen. Die enthaltenen Angaben sind übersichtlich angeordnet, durch das detaillierte Inhaltsverzeichnis schnell zu finden sowie kurz und auf das Wesentliche beschränkt, ohne jedoch sachlich Wichtiges auszulassen.
Eine besondere Empfehlung für alle Ermittler im Bereich Kriminaldauerdienst und Todesfalldelikte sowie für Staatsanwaltschaften und Ärzte, welche – auch gelegentlich – die Leichenschau durchführen müssen.

»Die Beurteilung der Leichenliegezeit« von Dr. Manfred Lukaschewski, erschienen als Paperback in der Reihe Magie der Forensik im Antheum Verlag Rostock zum Preis von 15,00€
 
ISBN 978-3959495356

»Kompendium der Kriminalistik« – Neuauflage

»Kompendium der Kriminalistik« Dr. Manfred Lukaschewski, erschienen in zwei Bänden beim Main Verlag Rostock

Die Neuauflage des Kompendiums der Kriminalistik, dessen vorherige Auflage sich bereits zum Standardwerk entwickelte und meiner Kenntnis nach sogar an einigen Polizeischulen als Unterrichtsmaterial Verwendung findet, überrascht mich in mehrerlei Hinsicht.
Einmal überrascht es, da es in einem andern Verlag erscheint, zum anderen, dass es in einem neuen Kleid daherkommt. Und zum Dritten überrascht es mit seinem überaus günstigen Preis.

Doch beginnen wir mit dem Verlag. Die beiden Bände des Kompendiums sind der Auftakt einer Buchserie des Autors, die der Main Verlag Rostock unter dem Label »Antheum facts« in der Reihe »Kriminalistik in Theorie und Praxis veröffentlichen wird. Mit dem neuen Verlag erklärt sich auch das neue Äußere der Bücher.
Beachtenswert ist allerdings der für Fachbücher phänomenal niedrige Preis der Bände.

Der Titel des ersten Bandes
mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Worum geht es nun in diesem Standardwerk, das tatsächlich nur einen Autor hat?
Wie im Vorwort erwähnt wird, sollen diese Bücher, dem Kriminalisten das nötige Handwerkszeug geben, damit er in der Lage ist, Sachverhalte besser einzuschätzen und schnelle Entscheidungen fällen zu können.
Doch nicht nur Kriminalisten können von diesem Werk profitieren. Meiner Meinung nach sollte jeder Polizist diese Bände griffbereit haben, um sein Wissen über bestimmte Vorgehensweisen immer weiterzuentwickeln. Ebenso kann sicher auch so mancher Jurist an diesem umfangreichen Wissenskatalog profitieren. Sogar Ärzte, welche die amtliche Totenschau durchzuführen haben, können vom Wissen, das sie aus diesem Werk gewinnen können, profitieren. Zuletzt möchte ich hier die Gilde der Kriminalautoren erwähnen, die oft und gern aus dem Wissenspool des Autors schöpfen, um die Beschreibungen von Tatvorgängen und Tatorten in ihren Büchern wirklichkeitsnäher erscheinen zu lassen.

Unter einzelnen Stichworten von A wie Abbrand über Maschinenschriften und Opferbefragung bis Zytologie hat Dr. Manfred Lukaschewski teils umfangreiche Erläuterungen zusammengefasst. Teilweise gehen sie – so die Notwendigkeit vorliegt – sehr ins Detail. Der Autor stellt selbst gewisse Straftatbestände in ihren Grundzügen dar, damit sie vom Sachbearbeiter besser eingeordnet werden können. Sie sollen ein gewisses praktisches Wissens-Grundgerüst darstellen.

Am Ende der beiden Bände findet sich ein umfangreicher Anhang mit Abkürzungs- und Quellenverzeichnis sowie einige begleitende Erklärungen, die sich in der Hauptsache darum drehen, den Kriminalisten darüber aufzuklären, wie bei unnatürlichen Todesfällen taktisch richtig vorzugehen ist.

Der Titel des zweiten Bandes
mit freundlicher Genehmigung des Verlags

Dieses Standardwerk sollte meiner Meinung nach unbedingt in die Ausbildung jedes Organs der Rechtspflege sowie jedes Arztes einbezogen werden, damit möglichst kein Straftäter ungestraft davonkommt.

Der Autor Dr. Manfred Lukaschewski hat das Universitätsstudium der Kriminalistik an der Humbold-Universität Berlin absolviert und tritt seit Jahren engagiert dafür ein, dass dieser Studiengang in Deutschland wiederbelebt wird. Nicht etwa um des Studiums willen, sondern ganz einfach, weil die Kriminalistik eine sehr umfassende Wissenschaft ist, die man nicht mal nebenbei erlernen kann.
Selbst die einzelnen Teile dieser Wissenschaft sind so komplex, dass ein Hochschulstudium gerade dafür ausreichen würde, ihre Grundlagen zu erlernen.
Unserer gesamten Gesellschaft müsste es doch darum gehen, Opfern zu ihrem Recht zu verhelfen. Und damit meine ich nicht nur jene Opfer, die nicht mehr unter den Lebenden weilen.
Mich begeistern einmal mehr die Exaktheit und das Engagement, die der Autor mit diesem umfangreichen Werk (jeder der beiden Bände enthält über 370 Seiten) an den Tag legt.

Dr. Manfred Lukaschewski
»Kompendium der Kriminalistik A-M« 24,00€
ISBN 978-3-95949-330-7

Kompendium der Kriminalistik N-Z« 24,00€
ISBN 978-3-95949-331-4
beide erschienen im Main Verlag Rostock